Beiträge : 173
Weblinks : 19
Seitenaufrufe : 59850
Tierheimfahrten 2010
TH-fahrt vom 24. - 26. Juni
TH-fahrt vom 24. - 26. Juni
Die ausgereisten Hunde für diese Fahrt finden Sie wie immer unter dem Link Bilderalben --> reservierte und/oder ausgereiste Hunde ab März 2010
Reisebericht Polenfahrt 24.-26. Juni 2010
von Dr. Annett Stange
Ich glaube, 2 Jahre ist es nun her, dass ich das letzte Mal mit Beate, unserer 1. Vorsitzenden, zusammen nach Polen gefahren bin. Zwischendurch war ich zwar mehrmals wieder in Piotrkow zu Arbeitseinsätzen gewesen, aber so einen großen Hundetransport und den auch noch mit unserem inzwischen schon nicht mehr ganz neuen Auto, hatte ich auch noch nicht mitgemacht. Wenn ich denke, vor 2 Jahren noch konnten wir im Monat maximal 18 Hunde transportieren. Dank unseres neuen großen Crafters können inzwischen jeden Monat mindestens 35 Hunde mit nach Deutschland reisen – einfach Wahnsinn.
Bereits auf der Hinfahrt erhielten wir die wunderbare Nachricht, daß der blinde Rüde B 1592 aus Belchatow eine Endstelle in der Schweiz gefunden hat und bei der Julifahrt mit ausreisen kann. 
Diesmal wollten wir aber nicht nur Hunde abholen, sondern auf dem Tagesplan stand auch ein längerer Besuch im Tierheim in Pabianice. In den letzten Monaten war uns aufgefallen, dass leider immer weniger Hunde aus Pabianice eine neue Chance in Deutschland bekamen. Ich weiß nicht so recht woran dies liegt. Vielleicht daran, dass in Pabianice keine Hunde mehr an der Kette leben, oder dort eben kleine Hündinnen und besonders hübsche Hunde recht gut an polnische Interessenten vermittelt werden? Oder aber auch daran, weil das Tierheim nun endlich eine wunderschöne Freilauffläche für Hunde hat? Manchmal denke ich, dass das Mitleid für die Hunde in Pabianice nicht mehr ganz so groß ist, dabei ist das Elend dort genauso schlimm wie in Belchatow oder Piotrkow.
Derzeit sitzen 160 Hunde in Pabianice – soviele Hunde waren dort schon lange nicht mehr. Die Zwinger sind bis auf den letzten Platz belegt. Teilweise hocken 6 bis 7 große Hunde in einem Zwinger oder 2 große Hunde in einem 6 qm Zwinger. Obwohl ich ein Jahr nicht in Pabianice war, schauten mich viele vertraute Augen hinter den Gitterstäben an. Viele Hunde, die schon viel zu lange dort warten und warten. Graue und schwarz-braune Hunde, viele Schäferhundmischlinge, viele Große und Mittelgroße. Hunde, die eben nicht so bunt und besonders hübsch sind, so ins Auge stechen oder besonderes Mitleid erregen. Aber trotzdem so viele nette, so viele freundliche Hunde, die einen so hoffnungsvoll anschauen. 


Einige Hunde besuchten wir in ihren Zwingern. Dankbar drückten sich viele an uns, nahmen Leckerli und genossen einfach diese kurze Zuwendung. Ein kleiner Hundeopi, der seit dem Winter in Pabianice lebte, hatte es uns besonders angetan. Kostek hieß er, mit einem Gesicht wie Flöhchen (das war Hund Nr. 50 in Pabianice, der sehr lange dort lebte, sich nie anfassen liess, trotzdem bei Kirsten in Deutschland ein Zuhause fand und noch mehrere Jahre glücklich verbringen durfte). Was wir zu dem Zeitpunkt nicht wussten: Kostek ging es nach unserem Besuch so schlecht, daß er einige Tage später eingeschläfert wurde.
Eine Stelle hatten wir bereits für Juli für ihn – er sollte sie nicht mehr erleben dürfen...Nur ein Schicksal von vielen in Pabianice. 
Am frühen Nachmittag brachen wir nach Piotrkow auf. Wir hatten nämlich noch eine Waschmaschine für das neue Tierheim an Bord, welche wir gerne noch dahin bringen wollten. Ich war gespannt auf das neue Heim, sollte es doch so groß sein, mit großen Zwingern und viel Platz. Stolz führte uns Grazyna durch ihr neues Tierheim. Darauf darf sie auch wirklich stolz sein, denn es ist bislang einmalig für Polen, dass eine Stadt so ein großes Tierheim komplett neu baut – aus Geldern der Gemeinden. Auf einer Tafel stand, dass der Bau des Tierheimes 2,5 Millionen Sloty (umgerechnet ca. 625.000 Euro) gekostet hat. Wahnsinnig viel Geld für polnische Verhältnisse. 



Leider fand ich recht schnell viele kleinere und größere Schwachstellen im neuen Tierheim. Aber Beate bremste mich zurecht mit meinen Kritiken aus. Es ist schon toll was dort auf die Beine gestellt wurde und die Schwachstellen werden die Verantwortlichen und Pfleger bei der täglichen Arbeit herausfinden, und diese müssen dann eben mit der Zeit behoben werden. An vielen Stellen merkte man deutlich, dass für bestimmte Dinge einfach kein Geld mehr vorhanden war. Das Grundstück ist wunderbar, mit alten Bäumen und Büschen, die man zum Glück hat stehen lassen.
Auf unsere Frage, wo denn Einzelzwinger für die aggressiven Hunde seien, antwortete Grazyna traurig, daß der Architekt ohne zu fragen geplant hätte und diese nicht vorgesehen seien. Man werde die kleinen Zwinger, die im letzten Jahr von den Gefängnisinsassen erstellt worden waren, mitnehmen, um einen Platz für diese Hunde zu haben.
Nach dem Besuch im neuen Tierheim fuhren wir noch einmal ins alte Tierheim von Piotrkow. Oh man, wie gut wird es sein, wenn die Hunde dort endlich dem Dreck, Schlamm, den Ratten und dem Müll entkommen. Maria hatte bereits angefangen, einige Gruppen von Kettenhunden zusammenzusetzen. Es wird sehr schwierig werden, verträgliche Gruppen zu bilden, da ja viele dieser Hunde seit mehreren Jahren eine eigene Hütte und einen eigenen Napf besassen und nun dem 24-Stunden-Stress durch Mitbewohner ausgesetzt sind.
GAPA sass, wie viele der ausreisenden Hunde, bereits an der Durchgangsstraße an einer Hütte und versuchte, Aufmerksamkeit durch Schreie zu erlangen, damit wir ihn nur ja nicht vergessen würden. 3 Jahre hat dieser liebe Rüde dort an der Kette verbracht, nun reiste er am nächsten Tag in sein neues zu Hause.
Zum Schluss möchte ich noch kurz zum Tierheim Belchatow berichten. Dort schliefen wir ja während unserer Fahrt 2 Nächte. Auch in Belchatow waren die Zwinger übervoll. 
Aber am Sonntag nach unserer Abreise veranstaltete das Tierheim einen Tag der offenen Tür. Im Nachhinein erfuhren wir, dass an diesem Tag 7 erwachsene Hunde, 8 Welpen und 3 Katzen (davon auch mein Lieblinsschmusekaterkind – Clerence mit dem tollen Silberblick) ein neues, hoffentlich dauerhaftes und gutes Zuhause fanden. 
Leider waren dies aber alles recht neue, sehr hübsche Hunde und keiner der Langzeitbewohner, wie der arme Rüde 493, der bereits seit 2004 in Belchatow sitzt. Er haust in einem 3 qm Innenzwinger ohne Auslauf! Neben ihm ist eine Tür, aus der er gerade ein bisschen nach draußen schauen kann – mehr hat der arme Hund nicht vom Leben. Ganz kurz durfte er am Freitag einmal aus seinem Zwinger, weil ich den Pfleger darum bat. 10 Minuten an der Leine auf der Wiese.
Das war alles, wahrscheinlich für die nächsten Jahre... 

Zum Schluss noch ein Bild vom blinden Mini-Orpheus, der die Reise auch mit uns machte und jetzt ebenfalls auf einer Endstelle lebt – ein so berührendes Bild eines Hundes, der sich bei allen gleich ins Herz schlich, die ihn sahen.
Aktualisiert (Mittwoch, den 07. Juli 2010 um 06:48 Uhr)


