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Reisebericht 1 der Fahrt nach Swarzedz am 9. und 10. November 2006 „Das privat geführte Tierheim in Swarzedz benötigt dringend Hilfe!“ So starteten Michaela Ansah, Bärbel Gülck und Beate Du Beau am 9. November um 8.30 Uhr, mit einem Kombi, der bis unter die Decke mit Spenden vollgestopft war, in Richtung Polen. Gern hätten wir noch mehr von den Futterspenden mitgenommen, die wir gerade einige Tage vorher von einer kleinen Tierschutzorganisation in Norddeutschland, die Tierschutz in Ungarn betreibt, geschenkt bekamen – leider passte nichts mehr ins Auto. Nach der Grenze wurden wir – wie schon bei früheren Fahrten – von den polnischen Baustellen auf der Landstraße von der Grenze bis zur polnischen Autobahn aufgehalten und konnten uns erst um 17.45 Uhr mit den Frauen aus dem Tierheim in der Nähe der Autobahn treffen, die uns dann zu Ewa brachten, einer Mitarbeiterin des Tierheimes, die uns eine Übernachtungsmöglichkeit bot.
Wir verbrachten trotz der Sprachprobleme – etwas Englisch war möglich – einen gemütlichen Abend mit Ewa und ihrem Mann, dem Tibet-Mastiff Yenti, der die uns vorgesetzten Speisen genauestens kontrollierte und einer süssen Katze aus dem Tierheim, die Ewas Kommandos wie ein Hund befolgte. Im Gespräch mit Ewa erfuhren wir, daß diese Frau 7 Tage die Woche 7 Stunden im Tierheim arbeitet und dafür 6oo,- Sloty (= ca. 15o,- € ) erhält! „But I love dogs“ war ihr Kommentar, als wir sie bedauerten. Die Arbeiter in den Tierheimen verdienen in Polen mit am schlechtesten, wie uns auch das Tierheim Pabianice bestätigte. Niemand will dort arbeiten, vom Arbeitsamt bekommt man oft nur Leute, die morgens schon betrunken zur Arbeit erscheinen. Morgens fuhren wir mit Ewa ins Tierheim – sehr zu unserer Überraschung in einer Wohngegend: ein altes zerfallendes Wohnhaus, eine Art „Villa Kunterbunt“ auf einem ca. 3000 m2 großen Gelände.
Der Tierarzt, über den auch der erste e-mail Kontakt gelaufen war, erwartete uns bereits und schenkte uns einige Stunden seiner kostbaren Zeit mit Führung durch das Tierheim, Erklärungen und Übersetzung, denn er sprach sehr gut Deutsch.
Im Tierheim arbeiten 4 Frauen sowie zeitweilig zwei Gefängnisinsassen. Und das bei den dort vorhandenen ca. 200 Hunden!
Der erste Eindruck beim Betreten des Grundstückes ist: Chaos! Man geht einige Schritte und fühlt, wie sich die Kehle zusammenzieht, wie die Tränen aufsteigen. Soviel Elend auf so wenig Raum, und bei jedem, den man anschaut, betteln die Augen...Stark sein und weitergehen, die Gedanken auf das richten, was man vielleicht für diese Hunde tun kann, zwar nicht in diesem Moment, aber vielleicht in einigen Monaten... auch in Pabianice haben wir es gemeinsam mit unseren Spendern geschafft, die Bedingungen für die Hunde zu verbessern – in Kürze wird der letzte Hund dort von der Kette genommen und jeder Hund hat ein Dach über dem Kopf!! Warum nicht auch hier?
Bis auf wenige neue Zwinger, die zum einen von TSV Neuss vor Jahren gespendet wurden, zum anderen von eigenem Geld gekauft, wirkt alles provisorisch, zusammengeflickt, zerfallend; man sah sofort, das hier ein Allround-Handwerker fehlt, der mit Ideen und Geschick das Beste aus den örtlichen Gegebenheiten machen kann, wie Roman, der in Pabianice arbeitet.
Die Hunde sind in Einzel- und Gemeinschaftszwingern untergebracht. Durch die ständig wachsende Anzahl von Hunden wurden mit einfachsten Mitteln nach und nach immer weitere provisorische Verschläge geschaffen, viele davon ohne Dach.
Einige Hunde sind einfach an Bäumen angebunden und haben als einzigen Schutz vor Regen, Schnee und eisiger Kälte eine Hütte – viele davon sehr marode. Einige Hunde wirken apathisch, haben sich aufgegeben, andere laufen ständig im Kreis oder bellen.
Die kurzhaarigen Hunde zittern jetzt schon vor Kälte, obwohl der lange Winter noch nicht einmal begonnen hat!
Frau Ansah hat ihre Eindrücke mit diesen Worten beschrieben: Auf den ersten Blick war das Tierheim eins von vielen in Polen, viel zu viele Hunde auf engem Raum, sie kläffen, pressen ihre Nasen an die Zwinger...
Ewa findet trotzdem Zeit, ein paar Streicheleinheiten zu verteilen!! Jeder Hund hat einen Namen, und Ewa kennt sie ALLE! Bei der Frage, welcher Hund am ärmsten dran wäre, steigen ihr Tränen in die Augen..."Groszek", der etwa dreijährige, sensible Schäfimixrüde. Er hat Epilepsie und kommt mit dem Stress im Tierheim überhaupt nicht klar!
Es brach mir schier das Herz, ihn dazulassen, aber ich hatte mich nun schon für den einäugigen Beaglemix Snoopy entschieden, der seit fünf Jahren auf Paletten lebte.
Auch einmalig war in diesem Tierheim die "Rentnergang", die im Haus lebte. Unscheinbare alte Hunde, in allen Farben und Mixen! Ein Raum mit 10 kleinen Hunden, die Tür geht auf, nochmal zehn treten ein, kein Körbchen, kein Pappkarton, ohne das diese gefüllt mit kleinen Omihunden waren!
Den Tränen nahe guckte ich mir die “Draussenhunde” an, ein kleiner Pulk der Rentnergruppe begleitete mich, verstohlen streichelte ich eine gelbe dicke....beim Gespräch mit dem Tierarzt drinnen klebte mir wieder ein Hund auf dem Schoss: es war wieder der dicke kleine Berg! Jetzt erst registrierte ich sie: "Rywka" nun Herta, ok.... Herta muss mit!
Ich möchte alle Menschen bitten, die jemanden kennen, der einen lieben ,kleinen alten Hund möchte, an die armen Mäuse in Swarzedz zu denken!!! Vielleicht hat ja Groczek auf diesem Wege etwas Glück! Beim Betreten des Hauses stockt einem der Atem, obwohl wir alle viele Tierheime gewohnt sind. Teil 2 des Reiseberichtes muß leider nächste Woche folgen - nach der Fahrt nach Pabianice und Belchatow. Noch mehr Eindrücke in Bildern:
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