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Paul - eine besondere Geschichte über einen vertauschten Hund

Letztes Jahr im November nahm ich das erste Mal Kontakt zu Beate und ihrem Team auf und wurde kurze Zeit später die glückliche Besitzerin von einer armen Socke namens Myloh aus Papianice, der bereits Anfang Dezember zu uns kam. Leider war er nur sehr kurz bei uns, denn er musste Christi Himmelfahrt 2006 eingeschläfert werden. Sein Nervensystem versagte komplett, so daß die Spritze für ihn die Erlösung war. Alle waren froh, daß wir wenigstens einige Monate dem Kleinen ein zu Hause mit viel Liebe geben konnten.

Wir waren unendlich traurig, waren aber gleichzeitig fest entschlossen, wieder einem armen Hund aus Papianice ein neues Heim zu geben.

Die Gefühlswelt ging bei uns allen dabei wie bei einer Achterbahn auf und ab, denn eigentlich wollten wir - vom Verstand her - uns alle ein paar Monate Zeit geben, den Verlust unseres lieben Mylohs zu verarbeiten.

Aber nach kurzer Zeit entdeckten wir dann eine junge Hündin von 7 Monaten, die uns allen zusagte. Nach einem Familienrat und einigen Gesprächen war schnell klar." Die Kleine soll beim nächsten Transport mit!"

Aber es sollte alles anders kommen, als wir es uns gedacht hatten. Am ersehnten Ankunftstag bekamen wir auf einmal einen Anruf von Beate, in dem sie uns sagte, daß die Hündin beim Umladen der Hunde für das Tierschutzligadorf Groß Döbbern bei Berlin vertauscht worden wäre. Das war erst einmal ein ganz großer Schreck. Der kleine alte Paul, der eigentlich vom Tierschutzligadorf Groß Döbbern aufgenommen werden sollte,saß immer noch im Bus nach Hamburg, während unsere kleine Hündin (später Biene) nun nach Döbbern unterwegs war.
Dies war erst erkannt worden, als die Hunde in Döbbern entladen wurden; so war es für eine Umkehr zu spät.

Was tun? Wir beschlossen ganz schnell, dass wir erst einmal den kleinen alten Paul zu uns nehmen und ihn bei der nächsten Fahrt gegen unsere Hündin eintauschen würden.

Gesagt - Getan!

Paul kam an und war völlig verängstigt: sofort verkroch er sich in meinen Schoß und wollte nur eines - endlich geliebt werden.
Ich trug ihn nach Hause und stellte ihn sehr behutsam und leise meiner Familie vor.
Alle hatten Tränen in den Augen, als sie ihn da so verstört und jämmerlich daliegen sahen.

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Schnell war klar, dass mein Partner und die Kinder diesen Hund so leicht nicht mehr hergeben würden.
Ich war davon nicht so begeistert.

In den ersten Tagen stellte sich schnell raus, dass Paul sehr schlapp war, sich kaum bewegte und stark humpelte. Der Besuch beim Tierarzt ergab, dass er irgendwann das Bein wohl brutal gebrochen bekam und nie behandelt wurde. Seitdem
humpelt er und läuft sich dadurch den Fuß blutig. Das war so grausam anzusehen, dass wir ihm immer 2 Socken anzogen, damit er ohne Verletzung durch die Welt humpeln konnte.
Dann fand die Tierärztin noch heraus, dass Paul einen Herzklappenfehler hat, der nur medikamentös (mtl. Ca 20 Euro) behandelt werden kann. Die Ärztin meinte, dadurch, dass das Herz zuviel arbeitet, wäre er so extrem schlapp.

Na toll dachte ich - und jetzt??? Ich kann den Kleinen doch nicht noch mal 500 km durch Deutschland schicken, wenn er solche Probleme mit dem Herzen hat - vielleicht überlebt er das gar nicht..

Ich rang drei Tage mit mir und setzte mich dann neben ihn. Soll ich wirklich einem kranken kostenintensiven alten Hund das Gandenbrot geben - kann ich das nach der letzten Erfahrung überhaupt? Myloh war nur fünf Monate bei uns - was ist, wenn Paul auch nicht lange lebt?
Paul begriff bestimmt, worum es ging und überwand seine Angst und kroch auf meinen Schoß.. In dem Moment gewann er mein Herz komplett. "Ok, sagte ich, du darfst bleiben, dann eben wieder einen alten Hund." Schnell war die Nachricht an Beate weitergegeben die sich mit uns und Paul sehr freute.

In den nächsten Tagen verschlechterte sich Paul´s Zustand zunehmend und wir hatten große Sorge, daß er uns unter den Händen wegsterben würde.

Beate besuchte uns und war ebenfalls sehr besorgt. Durch Zufall entdeckten wir dann, daß die Fäden der Kastration noch nicht gezogen waren und sich alles entzündet hatte, was unsere Tierärztin nicht festgestellt hatte. Ein
erneuter Besuch dort brachte ihn dann sehr schnell wieder auf die Beine.

Und nun begann für uns die Arbeit.

Erst einmal musste Paul Vertrauen bekommen; er lag wochenlang nur zitternd auf seinem Platz und fürchtete um sein Leben. Tagelang bekam er sein Fressen bei uns im Wohnzimmer, da er es einfach nicht wagte, sich von seinem Platz zu bewegen. Erst nach etlichen Wochen bekamen wir es mit unendlich viel Geduld hin, dass er in der Küche fraß. Vielleicht hat er in seinem früheren Leben nicht in die Küche gedurft und musste nur immer ruhig auf seinem Platz liegen?

Am Anfang war das Spazieren gehen für ihn und für uns eine Qual. Paul lief eine Socke nach der anderen durch und schnell war klar, daß er was Stabiles benötigt. So erzählte ich seine traurige Geschichte einem Schuster, der sich bereit erklärte, einen speziell angefertigten Schuh für Paul herzustellen und nicht einen Cent dafür verlangte.

Inzwischen hat Paul sich sehr gut eingelebt - er liebt mich und folgt mir überall hin - die Angst vor Männern und Fremden ist er bis heute nicht los, und ich werde nie ohne ihn irgendwo in den Urlaub fahren können.

Paul kuschelt für sein Leben gerne und so ganz langsam erwacht auch seine Stimme. Manchmal tobt er sogar humpelnd über die Wiesen und wedelt mit dem Schwanz. Das ist ein Erfolg, den ich mir bei dem alten Knaben nie hätte
vorstellen können.

Paul-das_leben_ist_schoen

Leider braucht er immer noch dieses Herzmedikament, was wir ihm wirklich gerne geben und benötigt eine Tragetasche, da er aufgrund seiner Behinderung Treppen z.B. nicht steigen kann.
Das alles wäre mit einer jungen
Hündin die ersten Jahre sicher nicht nötig gewesen, und auch ein bald bevorstehender Abschied wäre noch nicht so greifbar gewesen, wie bei unserem Opa Paul. Aber wir tun das gerne für unsere kleine ängstliche aber liebevolle Nase und wünschen ihm noch ein langes glückliches Leben.

Für uns war dieses "Unglück" des Vertauschens ein wahrer Gewinn.

Paul ist nun schon der zweite Hund aus Polen der alt und belastet zu uns kommt. Ich kann jedem, der sich überlegt, einen Hund zu sich zu holen, raten sich ernsthaft mal mit der Idee, einem alten Tier eine Chance zu geben, auseinanderzusetzen.

Sicherlich ist es anstrengender, mit den Marotten des Tieres klar zu kommen; bestimmt ist es auch schlimm zu erfahren, daß so ein Tier manchmal kosten- und zeitintensiver sein kann als ein Junghund in den besten Jahren. ABER so ein Tier ist so dankbar für jede Aufmerksamkeit, für das Erleben, nicht überdrüssig zu sein, für jede streichelnde Hand, jedes liebes Wort, dass man nie wieder vergisst, wie sehr einen dieses Tier geliebt hat. Es ist etwas ganz Besonderes, was ich nie wieder missen möchte - solche Erfahrungen prägen das Herz und das Leben.

Ganz liebe Grüße von
Christine mit Michael, Lukas, Jonathan und natürlich unserem geliebten Paul

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